Eine Erwiderung auf: „Etwas über das Proletariat“

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[Da der russischen Übersetzung unseres Textes „Anleitung zum Kampf …“ eine kleine kritische Einleitung vorangestellt war, die auf einen Text des Genossen Jörg Finkenberger verwies, wollen wir hier an diesem Beitrag eine Kritik formulieren. Der genannte Autor behauptet zwar am Anfang seines Textes, dass er Debatten über das Proletariat leid sei; aber da er einen Beitrag über das Proletariat formuliert hat, hält er die Auseinandersetzung darüber wohl noch nicht für abgeschlossen. Überhaupt ist es schlechtester Apriorismus, das theoretische Handgemenge, schon bevor es begonnen hat, als nutzlos abzutun. Aber jetzt zur Sache.]

In dem Text wird neben denen, die sich in ihrer Vorstellung vom Proletariat verabschiedet haben, auch eine Art von Marx-Orthodoxie kritisiert. Die Zitate von Marx lassen sich heute nicht ohne weiteres einfach wiederholen, denn zwischen der Zeit, in der sie verfasst worden sind, und der, in der wir leben, hat sich nach der Shoa und der Volksgemeinschaft der Deutschen eine Kluft aufgetan. Aber auch auf einer allgemeineren Ebene ist gegen diese Orthodoxie zu argumentieren. Da die Umstände, unter denen ein Satz geschrieben wurde, sich ständig in Bewegung befinden, hat ein Satz – streng genommen – seinen Wahrheitsgehalt immer nur in einem bestimmten Moment. Ändern sich die Umstände, muss die konkrete Wahrheit eines Satzes neu ermittelt werden, was aber nicht heißt, dass sie dadurch als vernünftige Abstraktion automatisch hinfällig wäre. Walter Benjamin zog daraus die Schlussfolgerung, dass wir unsere Zitate (nicht nur von Texten, sondern der Geschichte überhaupt) kommentieren müssen. Guy Debord verwarf sogar das Zitat schlechthin als autoritär und setzte auf eine Technik der Entwendung, die die Sätze den neuen geschichtlichen Gegebenheiten durch entsprechende Berichtigungen anpasst. Wir müssen also fragen, ob der hier zu kritisierende Text diesem Anspruch einer Aktualisierung der Revolutionstheorie des Proletariats von Marx, auf die auch er sich mehr oder weniger stützt (die Verweise auf Marx belegen das), gerecht wird. Weiterlesen

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